Corporate Social Responsibility - eine kritische Betrachtung
Von Christian Schmidt
Viele Firmen und Konzerne merken, dass ihr Ansehen in der Öffentlichkeit nicht mehr makellos ist. Skandale, Steuerhinterziehung, Schwarzgeldkonten und Lustreisen. Hinzu kommt der Trend, der vor allem an Stammtischen laut diskutiert wird, dass die großen Bosse immer mehr verdienen, während der normale Arbeiter einen Reallohnverlust hinnehmen muss. Es braucht einen Weg, diesem Imageverlust in der Öffentlichkeit Einhalt zu gebieten. Zu zeigen, dass der Konzern fair zu seinen Angestellten ist, dass er sich um die Umwelt sorgt, dass er die Belange der Stakeholder ernst nimmt.
Da kommt die CSR genau richtig – „Corporate Social Responsibility“ wird zum neuen Trend. Natürlich alles im Sinne der Umwelt, der Mitmenschen, der Gemeinde, kurz: der sog. Natural Stakeholder. Oder vielleicht doch auch im Interesse des Shareholders und des Firmenwertes? Sozusagen als öffentlichkeitswirksame PR-Maßnahme? Macht ja nichts, Hauptsache ist doch, dass die Botschaft ankommt: „Wir sind nicht die Bösen, auch wenn wir in der Vergangenheit viel zu viele Giftstoffe ungefiltert in Umwelt entlassen haben - aber haben das nicht alle? Ja, wir haben Schmiergelder bezahlt – aber ohne findet in manchen Kulturkreisen keine Auftragsvergabe statt. Seht her, wir tun was für die Umwelt, für die unterprivilegierten Kinder in der Community, für die Nachhaltigkeit des Ökosystems.“ Die Worte solcher Botschaften verhallen oft ungehört dank der selektiven Wahrnehmung der Stammtischler. Eine symbolhafte Handlung aber wird wahrgenommen; wer könnte schon etwas dagegen sagen, es wurden ja Fakten geschaffen. Ob solche Symbole in der Höhe der Summe angemessen sind, etwa im Vergleich zu den Schmiergeldzahlungen oder den Ausgaben für etwaige Lustreisen, ist freilich eine ganz andere Diskussion.
Was bei diesen großen Worten und Taten jedoch zum Nachdenken anregen sollte: Wer entscheidet über die Mittelverwendung? Mit anderen Worten: Kann das Unternehmen immer richtig entscheiden, welches Projekt die Stakeholder gerade brauchen? Welche Maßnahme die Natur auf den Pfad der Nachhaltigkeit zurückführt? Welche Zuwendung die Ghettokids für ein Leben in unserer Realität am besten vorbereitet? Wenn schon viele der negativen externen Effekte von großen Unternehmen nicht in ausreichendem Maße kompensiert wurden und werden, dann wäre es doch sinnvoll, die jeweils Betroffenen demokratisch über die Verwendung der vom Unternehmen so gerne bereitgestellten Mittel entscheiden zu lassen und somit eine Art Inzidenz herzustellen. Unterstützung, die da ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird. Um den Menschen zu zeigen: Wir sind wirklich an euren Bedürfnissen interessiert, es kümmert uns, wie ihr hier lebt und wir wollen einen Beitrag dazu leisten, mögliche Verbesserungen umzusetzen. Das würde den Nutzen der Stakeholder erhöhen – und vielleicht auch den Firmenwert?
Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. December 2007 um 14:51:17 und abgelegt unter Kapitalismus vs. Nachhaltigkeit, Tausche Risiko gegen Rendite!. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.
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